Ich

Zeitlang — „I ha Zeitlang“
(„Ich habe Zeitlang“)

 

Was sagt dieser Satz aus? Welcher ist der Zustand, als dessen Beschreibung dieser Satz wahr ist?

Ich bin 1983 im Bayerischen Wald geboren, hier in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und lebe noch immer hier. Etwas anderes habe ich nicht vor. Was anderen meiner Generation an Schönheit, Sportlichkeit, Frohsinn oder Gesellschaftlichkeit mitgegeben wurde, das empfielt sich bei mir gänzlich oder wenigstens größtenteils. Dagegen kann ich nur, zunebst einer intakten Gesundheit, ein wenig mehr Verstand als andere vorweisen. Nicht, dass ich diesen nutzen würde, um wahrhaft große Dinge zu vollbringen – nein, er soll mir lediglich als Werkzeug dienen, ein guter Mensch zu werden. Das ist mein Anspruch und ich hoffe, dass er es auch bleiben wird.

Nun, aus meiner beschaulichen kleinen Welt heraus fällt es mir schwer, mich über vieles auszulassen, zu dessen Beurteilung empirische Erfahrung zwingend erforderlich ist. So auch über die Verbreitung des Gefühlszustands, als dessen Beschreibung obiger Satz wahr ist. Ich vermute, dass er nicht allzu verbreitet ist, vielleicht ist er sogar eine regionale Einzigartigkeit. Deshalb möchte ich mich darum bemühen, euch dieses Gefühl zu erläutern.

„I ha Zeitlang“ drückt einen inneren Zustand aus, der andernorts in ähnlicher Weise als Heimweh, Kummer oder Wehmut auftaucht. All diese Begriffe umschreiben Zeitlang, beschreiben es aber nicht. Man vermisst etwas oder jemanden, wenn man Zeitlang hat. Dabei spielt eine gewisse Melancholie des Verlorenseins mit. Es ist die Vergegenwärtigung der Unvollständigkeit. Zeitlang drückt die Fehlstellung zwischen einem selbst und der ihm umgebenden Welt aus – man findet seinen Platz nicht mehr in ihr.

Soweit nun mein Versuch, ein Gefühl zu erklären. Ein Unterfangen, beinahe so erfolgversprechend, wie wenn eine Biene uns die Farbe ultraviolett erklären möchte. Wir begegnen hier einem grundsätzlichen doxastischen Problem: Wie kann man etwas wissen, was fundamental ist, d. h. was nicht aus anderen Sätzen heraus begründbar ist? Die Antwort klingt trivial, jedoch steckt dahinter ein ganze Reihe bedeutender Überlegungen: Man glaubt es einfach. Und dieser Glaube selbst ist fundamental (hierzu später mehr).

Weshalb dieser Exkurs? Natürlich, diese Seite heißt so. Anders gefragt: Wie kam es dazu? Kaum ein Begriff bringt mich so häufig zum Nachdenken wie Zeitlang. Er ist mein Ausgangspunkt vieler Gedanken und Gedankenexperimente. Darum habe ich ihn als Titel dieser Seite ausgewählt.

Zu guter Letzt: Es sei jedem freigestellt, sich über meine Niederschriften hier zu äußern oder sie zu verbreiten, auf welchem Wege auch immer. Es bedarf nur eines Mindestmaßes an Respekt, meinen Namen bei der Verbreitung anzuführen; darum bitte ich euch. Auf sozialen Medien könnt ihr mich gerne suchen, ihr werdet mich aber nicht antreffen, denn davon halte ich mich fern. Mir ist meine Zeit zu kostbar, um mich mit Aussagen zu beschäftigen, denen nicht mehr als Dummheit und Intoleranz zugrunde liegt. Ja, man mag gewiss auch andere Inhalte antreffen, aber das damit verbundene Risiko schätze ich für mich als zu hoch ein.

 

Es grüßt euch

Patrick Peindl

Advertisements
Panel 1

Vorgedacht

Ich komme nicht umhin, einige Gedanken vorauszuschicken. Mir geht es darum, ein grundsätzliches Verständnis zu vermitteln, abseits alltäglicher Überlegungen über Lohnsteuererklärung, Urlaubsplanung und Fassadenfarbe. Nicht jeder hat oder hatte die Zeit, sich über Wesentliches Gedanken zu machen. Wenn man sich hier auf meiner Seite einfindet, dann sollte man sich entscheiden: nehme ich mir diese Zeit und verweile ich hier oder will ich mir diese Zeit nicht nehmen; dann geh!

 

Zu lesen ist über

Wahrheit, Wissen und Wirklichkeit

Moral

 

 

Panel 3

Angedacht

So oft höre ich, man könne dagegen nichts machen. Gegen die vielen Missstände, die jeder kennt und doch jeder trägt. Ich sage dann: Nein, dagegen kannst du nichts machen, aber dazu beitragen musst du auch nicht. Man muss nicht jeder Mode folgen. Man kann sich verweigern.

24.06.2018

Es gibt keine dummen Fragen. So ein Scheiß. Es gibt dumme Fragen und meistens werden sie von dummen Menschen gestellt.

03.06.2018

Ich möchte mir vorstellen, glücklich zu sein. Was stelle ich mir dann vor? Nicht das Gefühl oder den inneren Zustand selbst, sondern eine Menge von Eigenschaften, die den angedachten äußeren Zustand beschreiben. Was muss alles der Fall sein, damit ich glücklich bin? Darauf gibt es keine Antwort. Hier komme ich zu meiner alten Forderung, nach dem Nichtsein zu fragen. Was darf nicht der Fall sein, damit ich glücklich bin? Beantworte ich diese Frage ehrlich, dann erkenne ich, was von allem Wesentlichen für mich wichtig ist. Und hierin zeigt sich erschütternd meine ganze moralische Scham. Bei all dem, was ist – darf man noch glücklich sein?

03.06.2018

Demut ist für mich die höchste aller Tugenden. Sie geht weit über den Respekt hinaus, denn sie ermöglicht meinem Nächsten mehr Freiheit als mir selbst. Demut ist als persönliche Überzeugung das Äquivalent zum Altruismus als Denk- und Handlungweise. Man fordert weniger, als einem zusteht. Nur wenige können deshalb demütig sein – sonst hätte der Begriff einen anderen Sinn.

01.06.2018

Toleranz endet mit Intoleranz.
Dieser Satz hat zwei Lesarten. Erstens ist Toleranz ein absoluter Begriff, man kann nicht ein bisschen tolerieren. Zweitens sagt er etwas darüber aus, was zu tolerieren ist.

01.06.2018

Ich habe für mich beschlossen, dem Irrsinn der Menschen lieber mit Humor zu begegnen als daran zu zerbrechen. Das eine ist nicht besser als das andere, aber mein Weg scheint mir doch der gesündere zu sein.

21.05.2018

Ich sehne mich nach einer Zeit, die es so wohl nie gegeben hat, nach einer vergangenen Utopie. Die Möglichkeit dessen, was erreicht werde hätte sollen, ist unmöglich geworden. Kann mir das denn noch als Ziel gereichen?

21.05.2018

Wenn wir etwas verstehen möchten, sollten wir uns vor der Frage, warum etwas so ist, wie es ist, doch eher die Frage stellen, warum es denn anders sein sollte. Das Sosein ist das Nicht-Anderssein. Das Anderssein ist das Nicht-Sosein. Das Sein braucht keinen Grund, sondern das Verstehen braucht ihn. Das Sein gibt uns keinen Grund, mit dem wir es verstehen. Der Grund ist in unseren Gedanken und dort ist jedes Sein auch als Nichtsein. Die Suche nach einem Grund für das Anderssein und der damit einhergehende Misserfolg führt uns zum Grund des Seins in unserem Verständnis.

21.05.2018

Wer mich nicht verstehen will, der wird mich nicht verstehen. Wer mich nicht versteht, der will mich nicht verstehen oder er vermag es nicht. So beschrieben steht es als Beispiel für den Unterschied zwischen Ignoranz und Unvermögen.

21.05.2018

Es ist der Mangel an Perfektion, der den Erfolg einer Art ausmacht. Aus den Fehlern, oder besser: aus der Differenz zwischen dem, was ist, und dem, was möglich wäre, vermag Neues hervorzugehen. Dieses Neue ermöglicht Besseres als das vormals Perfekte. Die Anfälligkeit für Fehler ist eine evolutionäre Notwendigkeit.

20.05.2018

Viele Menschen entgegnen mir mit dem Blick geistiger Leere und tiefster Unzufriedenheit. Warum nur sollte ich mit ihnen über Wichtiges reden?

20.05.2018